„Jetzt kaufen – später bezahlen.“ – Was zunächst harmlos klingt, begegnet auch Jugendlichen mittlerweile fast täglich in den sozialen Medien (wie bei TikTok) und beim Online-Shopping. Dienste wie Klarna oder PayPal machen es möglich, Produkte sofort zu bestellen und erst Wochen oder Monate später zu bezahlen.
Dabei wird das Risiko, in die Schuldenfalle zu tappen, gerade von Jugendlichen übersehen.
Warum das Thema in den Unterricht gehört
Für den Unterricht bietet das Thema enormes Potenzial: Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit ihrem eigenen Konsumverhalten auseinander, reflektieren psychologische Kaufanreize und diskutieren Chancen und Risiken moderner Zahlungsmodelle.
Der folgende Unterrichtsimpuls ist für eine 60-Minuten-Einheit konzipiert. Durch längere Arbeitsphasen kann damit auch problemlos eine Doppelstunde gefüllt werden.
Einstieg: „Welche Zahlungsoption würdet ihr wählen?“ (ca. 5–10 min)
Zum Einstieg könnt ihr einen (fiktiven) Online-Warenkorb präsentieren – beispielsweise Sneaker oder Technikprodukte mit verschiedenen Zahlungsoptionen. Dies lässt sich zum Beispiel bei Zalando oder im Apple-Store oder bei MediaMarkt gut demonstrieren.
Verschiedene Zahlungsoptionen sind beispielsweise häufig:
• Sofort bezahlen
• In 30 Tagen bezahlen
• 6 Monatsraten zu 19,90 €
Lasst eure Lernenden spontan abstimmen: „Welche Zahlungsoption würdet ihr wählen?“
Besonders spannend ist anschließend die Frage, warum Monatsraten oder spätere Zahlungen häufig attraktiver wirken als eine sofortige Zahlung. Erfahrungsgemäß entstehen hier schnell lebensnahe Diskussionen über Konsum, Geld und Online-Shopping.
Optional könnt ihr eure Lernenden auch selbst auf eine fiktive Online-Shopping-Tour ziehen lassen. Einzelne Lernenden können dann ihren Warenkorb mit den verschiedenen Zahlungsoptionen präsentieren.
Erarbeitung I: Was bedeutet „Buy now, pay later“? (ca. 15 min)
Erarbeitet nun gemeinsam, was hinter dem Prinzip „Buy now, pay later“ steckt. Viele Jugendliche kennen die Angebote bereits aus ihrem Alltag, häufig fehlt jedoch das Bewusstsein dafür, dass es sich letztlich um eine Form von Kredit handelt. Ihr könnt den Begriff „Kredit“ ggf. in schwächeren / heterogenen Lerngruppen noch zusätzlich erklären. (Kredit = Geld, das in der Regel von einer Bank zur sofortigen Verwendung zur Verfügung gestellt wird. Das Geld muss über einen bestimmten Zeitraum meist in Raten und mit zusätzlichen Kosten (Zinsen) zurückgezahlt werden.) Die Ergebnisse könnt ihr an der Tafel sammeln.
Mögliche Leitfragen:
- Was bedeutet „Buy now, pay later“ eigentlich?
- Warum bieten Unternehmen diese Möglichkeit an?
- Warum wirken Raten/Monatsbeträge oft attraktiv?
Überleitung: Konsum auf Knopfdruck? (ca. 5 min)
Leitet nun zur Frage über, wie digitale Zahlungsdienste das Konsumverhalten verändern.
Lasst eure Lernenden hierzu spontan Stellung beziehen. Besonders interessant ist dabei die Frage, warum moderne Zahlungsmodelle psychologisch so gut funktionieren.
Mögliche Antworten könnten sein: „Wenn man nicht sofort bezahlen muss, kauft man schneller und mehr. Man lässt sich stärker von seinen Emotionen leiten. Man will sich den Wunsch direkt erfüllen, weil man ja jetzt schon die Möglichkeit dazu hat. Man blendet mögliche Folgen aus. Es wird einem zu einfach gemacht.“
Ergänzend könnt ihr in die Diskussion einbringen, dass es ähnliche Konzepte schon sehr viel länger gibt, zum Beispiel Kreditkarten oder Giro-Konten mit Dispo-Kredit. Dort steckt aber das Wort „Kredit“ teilweise schon im Namen und die Kosten sind oft klarer erkennbar (z.B. Jahresbeitrag für eine Kreditkarte). Außerdem sind „Buy now, pay later“-Möglichkeiten inzwischen so tief in den Kaufprozess integriert, dass sie lediglich als eine von verschiedenen Zahlungsmethoden erscheinen – nicht als faktische Kreditfinanzierung.
Erarbeitung II: Chancen und Risiken analysieren (ca. 15–20 min)
Nun analysieren die Lernenden arbeitsteilig Chancen und Risiken von „Buy now, pay later“-Angeboten anhand eines konkreten Fallbeispiels (siehe Kopiervorlage). Dies kann in Partner- oder Gruppenarbeit erfolgen.
Mögliche Leitfragen:
- Welche Vorteile haben solche Zahlungsangebote?
- Welche Risiken können entstehen?
- Warum sprechen die Angebote besonders junge Menschen an?
- Welche Rolle spielen Werbung, Social Media und Influencerinnen und Influencer?
- Welche Folgen können entstehen, wenn man den Überblick über seine offenen Zahlungen verliert?
Sicherung und Reflexion: Wie viel Verantwortung tragen Jugendliche und Unternehmen? (ca. 10–15 min)
Fasst die wichtigsten Erkenntnisse gemeinsam zusammen und diskutiert anschließend folgende Aussage:
„Buy now, pay later“-Angebote sollten stärker eingeschränkt werden.
Dies kann beispielsweise durch eine Pro-Contra-Debatte erfolgen oder eine Positionslinie im Klassenraum mit anschließenden individuellen Statements. Die Diskussion zeigt häufig, wie unterschiedlich Jugendliche Konsum, Verantwortung und Schulden bewerten.
Tipps für den Unterricht
Hilfreich ist es:
- reale Beispiele aus dem Alltag zu nutzen,
- Konsum nicht übermäßig zu moralisieren,
- eigene Kaufanreize kritisch zu hinterfragen,
- Raum für Beschreibung persönlicher Erfahrungen zu lassen.
Fächerübergreifend lässt sich das Thema beispielsweise mit Verbraucherbildung, Mathematik (Zinsrechnung/Ratenzahlung), Politik oder Ethik verbinden.
Weiterführende Links
Schufa: Buy Now Pay Later: Alles über die neue Form des Ratenkaufs. https://www.schufa.de/newsroom/finanzen/buy-now-pay-later-neue-form-ratenkaufs/index.jsp
Bafin: Verbraucherschutz. Buy now, pay later.
https://www.bafin.de/DE/verbraucherinnen-verbraucher/themen-finanzprodukte/kredite-immobilienfinanzierung/kredite/buy-now-pay-later/buy-now-pay-later_node.html


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