Die Plattform „Shoah Stories“ bündelt Kurzvideos unterschiedlicher Anbieterinnen und Anbieter und eröffnet deinen Schülerinnen und Schülern einen niedrigschwelligen Zugang zu Themen und Perspektiven rund um die Shoah. Die Plattform wird vom Anne Frank Zentrum Berlin bereitgestellt, durch die Alfred Landecker Foundation gefördert und von TikTok unterstützt, indem die Videos technisch zur Verfügung gestellt werden.
Wenn du nach geeigneten Videos für deinen Unterricht suchst, kannst du die differenzierte Such- und Filterstruktur nutzen. Die Beiträge lassen sich u. a. nach Themen, Gruppen, Altersgruppen, Dauer und Sprache auswählen. Für deinen Unterricht sind die Videos vor allem als Startpunkt für historisches Lernen interessant. Viele Beiträge fokussieren einzelne Personen, Ereignisse, Orte oder Quellen. Du kannst sie deshalb nutzen, um Fragen aufzuwerfen, Interesse an einem Thema zu wecken und anschließend weiterführend zu arbeiten. Dabei kannst du zugleich die Darstellung von Geschichte im digitalen Medium thematisieren: Welche Informationen werden ausgewählt? Welche Perspektiven werden sichtbar? Welche Quellen kommen zum Einsatz? Und welchen Einfluss haben Bild, Sprache, Musik oder Text auf die Darstellung?
„Shoah Stories“ können als umfangreiche Sammlung digitaler Lernanlässe fungieren. Erkunde die Plattform zunächst selbst und prüfe, welche historische Fragestellung sich mit welchem Video bearbeiten lässt und welche Quellen oder Materialien du zur weiteren Vertiefung einsetzen kannst.
Mit „Mit Stempel und Unterschrift“ kannst du deine Schülerinnen und Schüler anhand historischer Dokumente an die Geschichte der NS-Zwangsarbeit heranführen. Das interaktive Tool der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) arbeitet mit 20 Dokumenten aus den Anträgen ehemaliger NS-Zwangsarbeiterinnen und NS-Zwangsarbeiter, die Entschädigungsleistungen erhielten. Die Dokumente geben Einblicke in individuelle Lebensgeschichten und in die historischen Bedingungen von Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus.
Nutze die Dokumente insbesondere für eine quellenkritische Auseinandersetzung: Was bedeutete die Deportation und Zwangsarbeit konkret für den betroffenen Menschen? Wer hat das Dokument wann und im Auftrag welcher Institution ausgestellt? Welchem Zweck diente es? Welche Informationen enthält es und welche fehlen? Welche Angaben erscheinen glaubwürdig und welche Fragen bleiben offen? Auf diese Weise verbindest du die Beschäftigung mit der Geschichte der NS-Zwangsarbeit mit grundlegenden Fragen historischer Quellenkritik.
Für die Arbeit mit den Quellen stehen deinen Schülerinnen und Schülern verschiedene digitale Zugänge zur Verfügung. Du kannst Dokumente über ein Karussell, eine Weltkarte oder eine filterbare Liste auswählen. Interaktive Spots ermöglichen eine detaillierte Erkundung einzelner Dokumente. Abbildungen lassen sich vergrößern und werden durch Bildunterschriften und Quellennachweise ergänzt. Teilweise stehen Transkriptionen und Übersetzungen zur Verfügung. Eine Lebenslinie, ein Zeitstrahl und eine begleitende Story helfen, die Dokumente biografisch und historisch einzuordnen. Ein Glossar, Fragen und Quizaufgaben unterstützen die weitere Auseinandersetzung.
Wenn du die Quellenarbeit weiter vertiefen möchtest, kannst du außerdem das kostenlose didaktische Begleitprogramm nutzen. Im Workspace „Mit Stempel und Unterschrift“ findest du einen Onlinekurs für Lehrkräfte mit Hintergrundwissen und Impulsen für die Bildungsarbeit. Ergänzend werden didaktische Handreichungen mit konkreten Stundenabläufen und Materialien entwickelt sowie begleitende Webinare angeboten.
Mit der digitalen Lernplattform „Werde Zweitzeug:in“ von ZWEITZEUGEN e.V. kannst du deinen Schülerinnen und Schülern ab dem 12. Lebensjahr multimediale Lebensgeschichten von Überlebenden der Shoah zugänglich machen. Die Plattform ist frei zugänglich und verbindet Digital Storytelling mit einem Lerntool zu Antisemitismus und dem Podcast „Geschichten, die bleiben“.
Die Idee von „Zweitzeug:en“: Die Lebensgeschichten werden über kurze Videos von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, Illustrationen, Texte und Audioaufnahmen aus Gesprächen vermittelt. Dadurch kannst du deinen Schülerinnen und Schülern einen persönlichen Zugang zu den Erfahrungen der Überlebenden eröffnen. Zugleich werden die individuellen Geschichten historisch eingeordnet. Im Verlauf lernen die Schülerinnen und Schüler zentrale Aspekte der Zeit des Nationalsozialismus, der NS-Verfolgung verschiedener Gruppen und des Zweiten Weltkriegs kennen.
Nutze die zusätzlichen Informationsebenen und das Glossar, um einzelne Begriffe und historische Zusammenhänge gemeinsam zu vertiefen. Interaktive Fragen regen deine Schülerinnen und Schüler dazu an, über das Erfahrene nachzudenken und Bezüge zu ihrer eigenen Lebenswelt herzustellen. Die unterschiedlichen medialen Zugänge ermöglichen es, die Auseinandersetzung mit einer Lebensgeschichte individuell zu gestalten.
Wenn du mit deinen Schülerinnen und Schülern darüber sprechen möchtest, wie sich Erinnerungskultur durch digitale Medien verändert, bietet dir die 2025 produzierte NDR-Reportage „Holocaust digital. Wie erinnern wir uns in Zukunft?“ einen geeigneten Ausgangspunkt. Die gemeinsam mit ARTE produzierte Reportage beschäftigt sich auf einer Metaebene mit der Frage, wie digitale Erinnerung an die Shoah gestaltet werden kann. Im Mittelpunkt stehen die Weitergabe von Erinnerung an kommende Generationen sowie Möglichkeiten und Herausforderungen neuer digitaler Vermittlungsformen.
Du kannst die Reportage bzw. Teile der Reportage nutzen, um mit deinen Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Formen digitaler Gedenkarbeit zu untersuchen. Thematisiert werden u. a. die mobile Ausstellung „In Echt? Virtuelle Begegnung mit NS-Zeitzeuginnen und NS-Zeitzeugen“ (auch nach einfacher Registrierung online zugänglich: https://fragnach.org/wie-kann-ich-das-interview-online-nutzen) sowie die Arbeit von Content-Creatorinnen und Content-Creatoren. Am Beispiel von Marie Zachger von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme wird außerdem die Frage aufgegriffen, wie historische Inhalte in sozialen Medien angemessen und verantwortungsvoll vermittelt werden können.
Nutze diese Beispiele, um mit deiner Lerngruppe darüber zu diskutieren, wie Erinnerung in einer digitalisierten Gesellschaft hergestellt, vermittelt und verändert wird. Dabei kannst du auch die aktive Herstellung und Gestaltung von Geschichte und Erinnerung als soziale und demokratische Praxis thematisieren (als Doing History und Memory bezeichnet, siehe dazu Berg, Lorenz & Oswald 2025).
Literatur
Berg, M./ Lorenz, A./ Oswald, K. (Hrsg., 2025): Geschichte auf Instagram und TikTok. Perspektiven auf Quellen und Praktiken. Berlin: de Gruyter.
Mit der App „Stolpersteine Digital“ kannst du deine Schülerinnen und Schüler dazu anregen, sich mit den Biografien von Menschen zu beschäftigen, die während des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Die Schülerinnen und Schüler können Stolpersteine einscannen und Informationen zu den jeweiligen Biografien abrufen. Außerdem können sie Stolpersteine in ihrer Umgebung suchen und eine virtuelle Gedenkkerze mit einer persönlichen Erinnerungsbotschaft hinterlassen.
Die App bietet dir damit insbesondere die Möglichkeit, historische Erinnerung mit dem unmittelbaren Lebensumfeld deiner Schülerinnen und Schüler zu verbinden. Ergänzend findest du auf der Website Unterrichtsmaterialien. Dazu gehören z. B. Materialien zum Untergang der „Cap Arcona“ für die Sekundarstufe I oder zum Film „Den Nazis eine schallende Ohrfeige versetzen“ für die Sekundarstufe II.
Wie können Schülerinnen und Schüler mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen, wenn diese nicht mehr persönlich für Interviews zur Verfügung stehen? Eine Möglichkeit bietet das digitale Projekt „Frag nach“ des Deutschen Exilarchivs 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek. Dieses ermöglicht es, Fragen an die Zeitzeuginnen Inge Auerbacher und Kurt S. Maier zu richten und passende Ausschnitte aus ihren aufgezeichneten Aussagen abzurufen. Die möglichen Antworten thematisieren Erinnerungen an ihre Kindheit, antisemitische Verfolgung im Nationalsozialismus, Exilerfahrungen nach 1933, das Ankommen in einem neuen Land (USA), aber auch ihr Engagement und ihre Rolle als Zeitzeugen.
Nach einer kurzen Registrierung können Nutzerinnen und Nutzen Fragen über die Tastatur oder ein Mikrofon eingeben. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Spracherkennung werden passende Ausschnitte aus den Videoaufnahmen ausgewählt. Die Videoaufnahmen werden dann abgespielt. Die Nutzerinnen und Nutzer sehen die beiden vor sich im Sessel sitzen.
„Frag nach“ ersetzt weder persönliche Begegnungen mit Zeitzeugen noch die Arbeit mit historischen Quellen. Es eröffnet aber einen zusätzlichen Zugang, um historisches Lernen mit einer kritischen Auseinandersetzung zu KI-gestützter Geschichtsvermittlung zu verbinden. Lehrkräfte sollten die Nutzung dieses digitalen Angebots vorbereiten und begleiten. Wichtig ist, die Aussagen historisch einzuordnen und individuelle Erinnerungen als subjektive Momente einzuordnen. Das Projekt bietet Handreichungen und Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte an. In Frankfurt am Main und Essen können zudem entsprechende Ausstellungen besucht werden.

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